Wer hätte es gedacht- wir verbringen eine weitere Nacht in «unserer» Weinrebe. Mittlerweile haben sich alle mit dem Ort angefreundet und wir fühlen uns schon richtig wohl. Als Tagesabschluss nach unserer 1A Wanderung in den Dolomiten (Überquerung Latemarscharte) gönnen wir uns ein Textilfreies Erfrischungsbad im Fluss und ein Nachtessen im Restaurant.
Die goldgewandete Wirtin verabschiedet uns am nächsten Morgen nach dem Morgenkaffeee mit den Worten «Joa, müsst`s was abbüssen», als sie von unseren Veloplänen hört. Nix müssen wir abbüssen! Das Wetter ist herrlich, unsere Räder zwar schwer aber gut bepackt und die Südtiroler Velowege sind 1. Klasse. Meist geht es entlang der Flüsse, selten müssen wir uns den Weg mit Autos teilen. Überholt werden wir selten, wenn dann von Rennvelofahrern oder Ebikern. Die Kilometer flutschen nur so dahin und schon bald sind wir in Brixen. Weiter weiter solle s gehen. Pro Fahrtag streben wir eine Distanz von 60 bis 70 km an. Dieses Ziel erreichen wir relativ leicht; allerdings setzt uns zuweilen die Hitze und das ständige Auf- und Ab doch ein bisschen zu.
Entschädigt werden wir von Allerlei: Die wechselnde Landschaft, die überraschend schönen Übernachtungsplätze, die unzähligen Salznüsse, die erfrischenden Bäder in den Wildbächen, die gemütlichen, selbstgekochten Abendessen, der abendliche Sternenhimmel und die unglaubliche Befriedigung, aus eigener Kraft so weit zu kommen.
Schon verlassen wir Italien und finden uns eine Schutzhütte, um dem aufziehenden Gewitter etwas geschützt entgegenzutreten. Wir überstehen die Nacht erstaunlich trocken und die Spaziergänger, die ab sofort mit einem freundliche «Servus» grüssen, scheinen sich nicht an uns zu stören, sondern wünschen uns viel Glück für die weitere Reise.
Weiter geht die Fahrt durch das Tirolische Bullerbü, auch bekannt als Kärnten oder Gailtal. Der Himmel bleibt wolkenverhangen, immer wieder fahren wir im strömenden Regen. Für die Nacht sind weitere Gewitter angesagt und so bemühen wir uns, erneut einen geschützten Übernachtungsort zu finden. Gar nicht so einfach. Die erste Bäuerin, die wir um einen Platz in ihrer Scheune anfragen, winkt lachend ab mit den Worten «In dem Stoble wollts schlofn? Do konnst ned schlofn!» Etwas entmutligt fahren und suchen wir weiter. Sämtliche offenen Scheuen sind mit landwirtschaftlichen Gerätschaften vollgestopft und in den kleinen Ortschaften ist es so gut wie unmöglich, sich unauffällig niederzulassen. Schliesslich fassen wir uns ein Herz und fragen beim Fussballverein Kirchbach den Jugendtrainier um Asyl. Volltreffer. Der freundliche Stefan bietet uns eine Dusche an, offeriert uns ein Bier und wir richten uns in einer geschützten Ecke vor dem Clubhaus ein. Frischgeduscht mit vollem Magen gucken wir dem Gewitter zu, wie es blitzend und dunkel über die Berge auf uns zurollt. Die ersten Tropfen fallen und zwei Minuten erkennen wir, dass unser Plätzchen keineswegs geschützt ist. Gottseidank haben wir uns noch nicht für die Nacht eingerichtet. Wir ziehen uns hastig die Pelerine über und schon werden wir von üblen Sturmböhen und waagrechtem Regen und Hagel durchgepeitscht. Unwirklich. Mittlerweile ist es dunkel und wir können uns nur noch im Blitzlicht sekundenlang gegenseitig ausmachen. Innert Sekunden sind wir alle durchnässt bis auf die Haut, alles, was wir zuvor nicht in den wasserdichten Velotaschen verstaut hatten ist nass und unser Plätzchen ist überschwemmt. Nach zehn Minuten ist der Spuk vorbei und in unkontrollierten Lachflashs beginnen wir zu realisieren, was da gerade passiert ist. Glücklicherweise sind unsere Schlafsäcke trocken geblieben und alle haben noch eine trockene Kleiderschicht für die Nacht. Unser Zelt stellen wir in einem Zuschauerhäuschen mit geschützter Wetterseite auf, lauschen ab und zu dem Gewitterprasseln auf dem Dach und schlafen doch alle erstaunlich gut.
Noch einige Worte zum Sturm: