Heute steht uns die erste grosse Bergetappe bevor: Um nach Zernez zu gelangen, müssen wir den Aufstieg nach Davos und anschliessend die Strassenwindungen über den Flüelapass schaffen. Nach einer Konsultation seiner schlauen technischen Geräte weiss Thomas, dass uns heute knackige 1600 Höhenmeter bevorstehen. Mit je zwischen 20 und 30 kg Gepäck bedeutet das viel Schweiss und Durchhaltewillen. Porridgegestärkt treten wir in die Pedalen und werden schon vom ersten steilen Kiesweg in die Knie gezwungen. Stossen? Geht nicht, mein Fahrrad ist viel zu schwer. Erfolglos spuhle ich auf dem losen Untergrund. Da braucht es die nette Laura, die mir beim Schieben hilft.
Schnell ist klar: Wir lassen den Fahrradweg links liegen und ziehen die geteerte Strasse vor. Am Mittag erreichen wir endlich Davos und müssen uns sogar bereits eine Pause gönnen, um uns mental auf den «richtigen» Pass vorzubereiten.
Die Bedingungen stimmen: Es ist Nachmittag, perfektes Wetter und als Bonus kriegen wir noch einen erfrischenden Rückenwind mitgeliefert. Die Kuhweiden und Nadelwälder werden bald von alpinen Blumenwiesen und schroffen Felswänden abgelöst. Die Landschaft ist spektakulär und mehr als motivierend. Ein Bergbach durchzieht den Talgrund in sich verflechtenden Wellenlinien und die Strasse mit ihren sanften Schlangenlinien wirkt in dieser mächtigen Kulisse klein zierlich.
Irgendwann auf der stundenlangen Bergfahrt begegnet uns doch tatsächlich ein Wolf. Keiner mit fletschenden Zähnen und aufgestelltem Nackenfell, sondern ein fieser, hinterlistiger, der schlimmer wird, wenn man ihn ignoriert. Nach kurzer Lagebesprechung haben wir einen Plan: Erstmal ohne Unterhosen in die Velohosen und falls das das böse Tier nicht vertreibt, gäbe es noch eine Postautolinie über den Pass. Der Wolf lässt sich auf diese Weise erstmal auf Distanz halten und so erreichen wir alle stolz und einigermassen erledigt die Passhöhe auf 2383 M.ü.M.
Mittlerweile ist es bereits Abend und wir beginnen Ausschau zu halten nach einem hübschen Übernachtungsplätzchen. Bald werden wir fündig und mit der Erlaubnis des lokalen Bauern schlagen wir unsere Zelte an einem traumhaften Plätzchen zwischen alten Tannen und einem rauschenden Bergbach auf. OH YEAH! Die klare Nacht beschwert uns einen fantastischen Sternenhimmel und einen tiefen Schlaf.
Morgen bezwingen wir den Ofenpass!
Ihr sind de hammer! Ich bewundere eu und freue mich uf alli wiitere Gschichte